BachFest 2007: Johannespassion

Fotos: Burckhard Schürenberg

BachFest Zürich 2007: Johannespassion

Konzert am Karfreitag
6. April 2007, 19.30 Uhr

Bühlkirche Zürich Wiedikon

Holger Marks Tenor, Evangelist und Arien
René Koch, Bass, Christus
Georg Gädker, Bass, Pilatus und Arien
Salome Zwicky, Sopran
Anna Haase, Alt
Ensemble La Partita
Myrtha Indermaur, Konzertmeisterin
Judith Buchmann, Oboe
Rolf Laubi, Violoncello - Continuo
Franziska Weibel, Fagott
Andreas Schlegel, Laute
Stefan Zwicky, Orgel

Kantorei der Bühlkirche
und Zusatzchor

Leitung und Continuo:
Conrad Zwicky

Fotos: Burckhard Schürenberg

Gewagtes gelungen - die Musik lebt

Ein grosses, gewagtes Unternehmen hat der Organist der Bühlkirche realisiert. Ein "BachFest", das doch eher in einer Kirche wie z.B. dem Grossmünster erwartet würde. Doch in Zusammenarbeit mit dem Spiritus rector des Ensembles "La Partita" (Rolf Laubi) wurde ein Programm geboten, das viele Facetten des grossen Johann Sebastian Bach zeigte, Solokonzerte, Kammermusik, Orgelwerke, Kantaten und als Krönung die Johannespassion. Conrad Zwicky hat dem Vernehmen nach noch nie ein derartiges Projekt geleitet. Was soll man also erwarten?

Eine vollbesetzte Kirche mit vielen zusätzlichen Zuhörern, die die fast zwei Stunden stehen mussten. (Eine Zuhörerin meinte, es sei ihr gar nicht lange vorgekommen!). Orchester, Solisten, zusätzliches Orgelpositiv, zwei Chöre... alles auf der Orgelempore platziert, was einerseits einen intensiven Klang, andererseits eine sehr erwünschte räumliche Wirkung von Chor und Instrumenten ergab.

Bereits im Eingangschor zeigte das Ensemble La Partita und die Kantorei der Bühlkirche, dass offensichtlich minutiös, sachkundig und inspiriert vorbereitet wurde. Die Chöre probten während lediglich während 5 Wochen mit je einer Probe, danach während vier Tagen täglich. Der erste Einsatz des "Zusatzchores" im Choral Nr. 3 zeigte, dass dieser ebenso sorgfältig auf seine Aufgabe vorbereitet war. Die Aussprache beider Chöre war beachtlich. Gewiss können kleinere Unsauberkeiten bei einem (hoffentlich!) nächsten Projekt ausgemerzt werden.

Die Gesangssolisten waren offensichtlich alles sehr konzerterfahrene Künstlerinnen und Künstler. Der Evangelist (Holger Marks) überzeugte durch sehr lebendige Gestaltung, durch seine klare Stimme, die perfekte Aussprache und Virtuosität in den Arien. Die Christuspartie wurde gesungen von René Koch, den wir schon am dritten Konzert dieses Festivals hören durften. Seine sonore Stimme und die Identifikation mit seinem Part machten dieses Aufführung zu einer Entdeckung. Ebenso gefiel Georg Gädker, Bass, mit den Arien (traumhaft die Arie "Mein treuer Heiland"). Seine unprätentiöse Haltung mit sehr gekonntem Einsatz der stimmlichen Mittel... einfach grossartig. Anna Haase berührte das Publikum mit der Arie "Es ist vollbracht", eine Stimme voll Innigkeit, mit einem Ausdruck der Trauer, die in den Bann zog. Die Sopranistin Salome Zwicky gestaltete mit ihrem hellen, natürlichen Sopran die beiden Arien in wunderschönem Kontrast zu den tieferen Stimmen.

Der geneigte Leser mag denken, Herr Mensindorfer sei zu wenig kritisch. Er ist es doch, aber diese Aufführung mit ihrer ungewöhnlichen Spontaneität macht es allerdings schwierig. Gewiss, es gab auch Schwachpunkte: Der Dirigent interpretierte die Choräle sehr zügig, zwar ausdrucksstark, aber nach unseren musikwissenschaftlichen Recherchen nicht ganz stilgerecht. Und noch etwas: Könnte man bei einem solchen Werk nicht zwei Aufführungen machen, damit das Publikum, das nachgerade die Konzerte in der Bühlkirche kennt, auch Platz findet?

Dr. Klaus Mensindorfer